DIE HÜTER
Wieder und wieder
stiegen wir nieder
in menschlicher Mutter gebärenden Schoß.
Und manchmal fragten sich staunende Augen
"Was, zum Himmel, mach ich hier bloß"
Fremd uns schien die dichte Welt,
doch waren wir hier hin gestellt,
um Hoffnung zu bringen den Menschen.
So starben wir in Körper hinein,
erfuhren Trennung, Liebe und Pein
Zuweilen hat die Angst uns erstickt
und Willkür uns ins Verderben geschickt.
Der Auftrag der Seele war sternenklar
und wird am Ende der Reise wahr:
Im Fleisch zu gebären das reine Herz,
die Fesseln zu lösen aus Angst und aus Schmerz,
bis am Ende des Tages, wenn verstrichen die Frist
der göttliche Mensch geboren ist.
Lang war die Reise, beschwerlich der Weg
und wenn auch die Kraft dem Ende zu geht
so leuchtet darüber ein heller Stern
der in Liebe bewacht, was uns scheint noch fern.
Dort wo die Zeit zu Ende geht,
der Wind der zeitlosen Ewigkeit weht
wird unsere Erfüllung sein-
und wir der Welt und uns verzeih'n
was uns derweil erworden ist
Ein glücklich Sein stets Leid vergisst.
Was nun sich gebiert
ist die Wirklichkeit,
frei von Trennung, Hass oder Leid.
Die Kräfte des Chaos sind Diener nur
um zu weisen den Weg, im Ziehen der Spur,
die sichtbar ins Verderben führt.
So ist die Zeit des Sprungs gekommen,
Es weichen die Nebel vor keimender Saat
Noch sind viele sehr beklommen
doch jetzt erfolgt die Heldentat:
Der Mensch streift seine Masken ab,
und entsteigt dem ihm bereitet' Grab
Er wird sich seiner selbst gewahr
und wie ein ewig Liebespaar
gehen Körper und Seele nun Hand in Hand.
Verschwunden ist der Kriegsverband
ersetzt von strahlend, hellem Licht,
das Angst und Trauer ewig bricht.
Wir nun, werden nicht mehr geboren
in menschlicher Mutter gebärenden Schoß
doch werden wir weiter der Erde dienen
und ihren Geschöpfen, klein oder groß.
Schnee liegt
über den Wäldern
der Kindheit
Liebe schmilzt
die Ränder der Zeit
Kristalle fallen
aus himmlischer Hand
und regnen die Stille
aufs träumende Land
Gestern und morgen
im Heute geeint
Endlich gefunden
was verloren gemeint
Pfade, die waren
Pfade, die weichen
Ein Weg, der erst im Sein erwird
und leuchtend sich
in jedem Jetzt
liebdurchflutet neu gebiert.
Samensäend aus dem Herzen
freuderfüllt und sternbewacht
lichten Nebel sich und wachsen
Blüten aus der weissen Pracht.
Wir gehen-
ich weiss nicht wohin
wir kommen-
ich weiss nicht woher.
Wir leben im Hier
und im Jetzt.
Keine Frage
stört den Fluss.
Liebe fragt nicht
nach Sinn.
Wir brechen auf.
Es bricht auf
in uns-
durch uns-
und mit uns.
Seelen wandern,
Herzen finden.
Weiter geht die Reise
still und leise
reiche ich meine Hand
und hoffe
dass eine andere Hand
die meine umfängt
und selbst
wenn die Hand
ins Leere greift,
liegt in der Leere
die Fülle,
mir zugedacht
jetzt.
Tage des Glücks-
Tage der Tränen
Willkommen hier-
Abschied dort
Regenbogengleich
sind wir
die Boten des Übergangs.
Alte Gesetze
verlieren sich
in der verlorenen Zeit.
Alles ist jetzt.
Alles ist hier.
Alles ist gut.
"Alles ist gut", sagt der Horizont, in der Einfachheit uns findend. "Alles ist hier, alles ist jetzt, alles ist gut."
Manchmal verstummt das herzliche Flüstern und wieder fängt der Zweifel uns ein. Betäubender Lärm gedachter Gefühle, angstbestimmtes Wollen, achtloses Getriebensein reichen die Hände sich in den Strassen der Stadt, deren leitende Sterne nicht im Meer des Namenlosen leuchten.
Und dann ein Moment, da sich Gewahrsein in die Unendlichkeit dehnt und alles aus tiefstem Herzen umfasst. In jenem Moment sind wir Könige und Königinnen eines gegenwärtigen Herzkönigreichs.
In der" Welt" sind wir Wanderer, ohne Reich, ohne Thron, Wege eröffnend, dass Könige und Königinnen sich krönen im Gewahrsein des Jetzts, um als Diener der Liebe, jedem auf gleicher Höhe, in die Augen des Himmels zu blicken und endlich zu teilen die Wahrheit der Seele, die längst vergessen in der Asche, nach dem Atem des Bewusstseins ringt, und immer noch glimmt, immer noch glimmt, immer noch glimmt...
Aus der Tiefe deiner Seele
eine süsse Stimme klingt,
spinnwebzart und selbstvergessen
sie von fernen Weisen singt.
Sie singt von den Tagen des Sturms,
da der Wind des Sehnens Wellen
gegen die Klippen deines Verstandes schlägt.
Sie singt von den Tagen der Trauer,
da ein geliebtes Schiff
den heimatlichen Strand verlässt.
Sie singt von den Tagen der Reise,
da fremde Pfade dir zu eigen werden.
Sie singt von den Tagen der Heimkehr
in ein Zuhause, das immer in dir war.
Sie singt von blühendem Leben,
das zärtlich deiner Liebe harrt.
Sie singt von den Tagen unendlicher Freude,
einer übersprudelnden Quelle,
die deinem fühlenden Herzen entspringt.
Sie singt von den Tagen der Freundschaft,
da Seele die Seele im andern erkennt.
Sie singt von den Tagen der Liebe,
die ungezähmt der Allgegenwart entweichen,
wie die Stimme, die aus der Tiefe deiner Seele quillt.