Weihnachten
Ein Fest der Geburt, ein Fest der Wiederkehr. Ein Fest der Hoffnung und Dankbarkeit. Mit dieser sehr persönlichen Weihnachtsgeschichte, die ich heuer vorallem meiner Familie gewidmet habe, möchte ich Euch allen von Herzen eine liebevolle Weihnacht wünschen. Voller Dankbarkeit und Freude.... Lile
Es war einmal, an einem kalten Novembertag im Jahre 1636, als ein Kindlein das Licht der Welt erblickte. Es war ein Mädchen und der Ort ihrer Geburt war ein Haus aus Lehm und Stein.
Es war irgendwo auf dem Kontinent, den man Europa nennt.
Das Licht der Welt mag hier als Gleichnis dienen, denn tatsächlich wurde dieses Kind in die Dunkelheit eines Verlieses geboren, ohne Hebamme oder Heiler. Die Mutter des Mädchens, als Hexe gebrandmarkt, war nur noch am Leben, um dieses Kind zu gebären, um dessen Geburt, sich einige Mythen rankten. Es war das erste und einzige Kind dieser Frau, und als sie im 3. Monat schwanger war und sie der Hexerei angeklagt wurde, schwor sie bei einem Eid auf die Bibel, dass dieses Kind eine Heilsbringerin wäre in den dunklen Zeiten des Krieges und dass das ganze Volk es bitterlich büssen würde, wenn dieses ungeborene Kind mit ihr verbrannt würde.
Die Heilkraft dieser sogenannten Hexe war weit über die Grenzen des Dorfes hinaus bekannt, ebenso ihre Gabe eigentümliche Blumen zu züchten oder mit Tieren zu sprechen. Der Bischof selbst war zum Tribunal angereist und auch ihm standen die Haare zu Berge, als diese Frau angesichts der Verurteilung , hocherhobenen Hauptes, das gesamte Volk ins Verderben stürzte, wenn dieses ungeborene Kind getötet würde. Sie schrie nicht, sie fluchte auch nicht, sie sagte was sie sagte, voller Mitleid. Sie sprach es aus, wie eine Tatsache, so als ob sie sagen würde, dass jeden Tag die Sonne auf-und unterginge.
Vielleicht glaubten sie ihr, vielleicht waren es Rufe aus dem Volk, die darum baten, das Kind zu verschonen, vielleicht war es die Angst die Gunst des Volkes zu verlieren, einer Todgeweihten den letzten Wunsch zu versagen, zumal man wusste, dass diese Frau vielen aus der Gemeinschaft geholfen hatte. Vielleicht war es auch die Tatsache, dass , während sie sprach, eine weisse Taube über ihrem Kopf schwebte, die dazu führte, sie am Leben zu lassen, bis zum Augenblick der Geburt ihres Kindes.
So brachte die Geburt des Mädchens unmittelbar den Tod der Mutter mit sich. Sie wurde am selben Tag, nur wenige Stunden nach der Entbindung verbrannt.
Das Mädchen wuchs als Waise auf und wurde in das Haus des Landvogts übergeben, vorallem um sie unter Beobachtung zu halten. Der Vater des Mädchens war unbekannt. Niemals hatte die Mutter seinen Namen preisgegeben, und wenn wir es nicht besser wüssten, könnte man meinen, es hätte nie einen Zeuger gegeben, denn die Frau hatte sehr zurückgezogen in der Tiefe eines Waldes gelebt, den nur selten ein Fremder je betreten hatte. Wohl gab es da den einen oder anderen Forstarbeiter, der zuweilen in der Nähe der Hütte der Frau gesehen wurde, aber niemals hatte es den Anschein gehabt, dass es engeren Kontakt gegeben hätte.
Für ungefähr 3 Monde im Jahr aber war die Frau verschwunden. Jedesmal wenn es Weihnachten wurde und spätestens dann, wenn das helle Licht des Sirius erstrahlte, verschwand die Frau und kam erst zur Frühlings Tag und Nachtgleiche wieder. Allen Fragen bezüglich ihrer Abwesenheit wich sie aus und so gewöhnten sich die Leute mit den Jahren an ihr Verschwinden.
Einmal aber kam sie früher zurück. Es war in dem Jahr als das Mädchen geboren wurde. Es waren noch 3 Wochen zur Tag-und Nachtgleiche und ihre Augen hatten das ihnen übliche Strahlen verloren. Ihre Wangen waren eingefallen, und sie war blass. Tränen hatten Spuren hinterlassen in ihrem feinen Gesicht, so als ob sie tagelang geweint hätte. So wie man weint, wenn man einen über alles geliebten Menschen verliert. Sie war schon in ihrem 33. Lebensjahr als sie das Kind gebar und starb an ihrem 33. Geburtstag, der auch der Geburtstag des Mädchens war.
Wir kennen weder der Namen der Mutter, noch den Namen der Tochter aus dieser Geschichte, da sie beide nicht getauft waren und es keinerlei menschliche Aufzeichnungen über ihre Leben gibt. Diese Geschichte wird in den Gärten des Lebens erzählt, die weder Namen brauchen, noch Schriftzüge. Diese Geschichten leben im Atem der Bäume, im Wiegen des Grases im Wind.
Sie reifen mit den Beeren und funkeln mit den Sternen. Diese Geschichten sind so wahr, wie die Wahrheit eines Berges, der sich nach Jahrmillionen aus dem Sand des Ozeans bildet und in den Himmel ragt.
Die Tochter nun, wuchs im Hause des Landvogts auf, denn der Schwur der Mutter ward nicht vergessen. Man liess ihr eine Art von Bildung angedeihen. Sie lernte lesen und stellte sich schon im zarten Alter von 4 Jahren als äusserst begabt heraus. Sie liebte es, heimlich in alten Schriften zu lesen und lernte sogar Latein. In ihrer spärlichen Freizeit aber, die ihr neben dem Lernen und der Hilfe im Haushalt blieb, war sie im Wald und unterhielt sich mit den Bäumen, den Tieren und mit den Sternen. Sie sprach auch am hellen Tage mit den Sternen, und oft schien es, als würden sie ihr antworten, denn die Weisheit, die sie besass, überstrahlte alles, was an irdischem Wissen in jener Zeit zugänglich war.
In jenem Haushalt gab es eine Amme, eine Perle von einem Menschen, die das Mädchen in den ersten Jahren ihres Lebens begleitete. Das Mädchen liebte die Amme, die ihr wundersame Geschichten erzählte, von guten und bösen Mächten, von Zauberern und Feen. Es schien, als ob die Phantasie der Amme schier grenzenlos war und so versüsste sie dem Waisenkind das bittere Los mit ihren Geschichten, solange sie es vermochte. Eine Geschichte liebte das Mädchen ganz besonders. Es war die Geschichte von einem himmlischen Kind, das die Fähigkeit hatte, die innersten Wünsche zu erfüllen, vorallem um die Weihnachtszeit.
Obwohl das Mädchen immer zu essen und ein Dach über dem Kopf hatte und mit der Amme wenigstens einen wohlwollenden Menschen in ihrem Leben, obwohl sie die Tiere, den Wald und die Sterne als Gefährten wusste, vermisste sie sosehr die Geborgenheit einer Familie. Sie vermisste ihre Eltern, die sie nie gekannt hatte, sie vermisste eine Grossmutter, einen Grossvater, sie vermisste all das, was andere , ärmere Kinder als sie, als Selbstverständlichkeit ansahen.
Wie inniglich wünschte sie sich jedes Jahr um die Weihnachtszeit, zu jedem Geburtstag, an jedem Tag ihres Lebens eine Familie zu haben, die da war, die sie liebkoste, die ihre Tränen abwisch, die mit ihr lachte und weinte. Viele viele Male hatte sie Briefe geschrieben an das himmlische Kind, wohlwissend, dass es ihr ihre Eltern nicht zurückbringen könnte.
Auch später noch, als junge Erwachsene war sie einsam. Sie war zu anders als die anderen und sie hatte niemanden, mit dem sie sich austauschen konnte. Sie wusste, was mit Leuten, vorallem mit Frauen geschah, die zuviel wussten, die anders waren. So verschloss sie all ihre Wünsche und Sehnsüchte und barg sie in einem Schächtelchen , das sie aus Getreideähren geflochten hatte.
Dieses Schächtelchen verbrannte sie und vergrub gleichzeitig auch die Hoffnung tief in ihrem Herzen. Zu tief war der Schmerz, zu tief war ihre Einsamkeit. Als nun der Rauch aufstieg, erreichte er ihre Seele und auch die Seelen ihrer Eltern, denn auch ihr unbekannter Vater war tot, gestorben kurz nachdem die Mutter sie empfangen hatte. Ihr verzweifeltes Sehnen wurde gehört, doch das wusste das Mädchen nicht, denn obgleich der Wunsch schon erfüllt war, würde es erst Jahrhunderte später sich in ihrem Erleben zeitigen.
Als sie 8 Jahre alt war, starb ihre geliebte Amme an einer der vielen Seuchen, die damals die Menschen plagten. So wurden die zu verrichtenden Tätigkeiten noch vielfältiger und das Leben ohne Lichtblick der gemeinsame Phantasiereisen noch schwerer. Die Leute begegneten ihr argwöhnisch. Einerseits konnten sie in dem lieblichen Antlitz nichts als Güte und Sanftmut erkennen , das sie als künftige Wohltäterin vermuten liess, andererseits ähnelte sie in ihrem Verhalten sehr stark ihrer Mutter. Auch blieben ihre nächtlichen Sternwanderungen nicht geheim. Der Landvogt kümmerte sich wenig um sie.
Das Mädchen war sehr still und störte ihn kaum. Wenn der Bischof ihn zuweilen nach der Entwicklung des Mädchens fragte, wusste er sich zuweilen kaum an sie zu erinnern.
Das Mädchen begann Kinder aus der Nachbarschaft heimlich in Lesen und Schreiben zu unterrichten und einigen wenigen gab sie auch das Wissen um die Heilkunst weiter. Doch ihre Gabe zeigte sich ihr erst später. Es dauerte Jahre, bis sie verstand, dass es zuweilen nur der sanften Berührung ihrer Hände bedurfte, oder eines ihrer Blicke, die Kranke heilten. Die Menschen aber bemerkten es, doch wurde dies nie laut ausgesprochen. Nur in ganz schweren Notfällen wurde dieses Wissen um ihre Gabe flüsternd weitergegeben.
Zuweilen wunderten sich die Herrschenden über die zunehmende Weisheit unter den Jungen dieses Dorfes, doch nie hatte jemand das Mädchen verraten. Es lag ein Schutz um ihr Leben, ein mächtiger Zauber, der ihre guten Taten all jenen verhüllten, die sie dafür hingerichtet hätten.
Vieles, was sie tat, tat sie in Träumen, auf Ebenen des Seins, die noch heute Menschen schwer einsichtig sind. Sie wurde nie verheiratet. Wohl gab es den einen oder anderen jungen Mann, der ihr die Ehe anbot, doch ihr Herz war vom frühen Verlust der Mutter so geprägt, dass sie menschlich zu lieben nicht imstande war. Ihren Frieden fand sie in dem hingebungsvollen Dienst an den Menschen, an Tieren, an der Natur, die sie umgab. Sie zeigte später, in Zeiten des Krieges, als erwachsene Frau, eine ungewöhnliche Stärke, eine eiserne Disziplin und eine unerschütterliche Ruhe beim Anblick der Toten.
Sie galt als unnahbar und in gewisser Weise war sie das auch, obwohl sie tiefes Mitgefühl für die Menschen hegte, zuweilen selbst für die Verblendeten, die ihre Mutter hingerichtet hatten. Den Schmerz darüber und die Einsamkeit aber verlor sie nie. Die Bäume, die alt genug sind, erzählen heute noch von diesem Kind und die Sterne erzählen dem Lauschenden, was sich zutrug in den lichten Höhen, wo die Seelen sich berieten, wie diesem Menschenkind zu helfen sei.
Es gibt einen Ort, jenseits der Geburt, wo Seelen sich treffen und gemeinsam Geschichten ins Leben träumen und an jenem Ort geschah es, dass sich Seelen fanden, viele Jahre, ja Jahrhunderte vor unserer Zeit, die gelobten, jenem Kind eine Familie zu schenken, die es Tag um Tag, Jahr für Jahr begleiten würde. Seelen, die ihr eigenes Sein in den Dienst der Liebe an diesem Kind stellten, so gut sie es eben vermochten.
Das Mädchen aus jener Zeit wurde mit 36 Jahren als tot erklärt. Ihr Leichnam wurde nie gefunden. Sie war in den Wald gegangen und nie wiedergekehrt.
So manches Leben führte diese Seele von damals bis heute und auch davor und doch ist es das Heute das unsere Aufmerksamkeit verdient.
Im Sommer 1967 wurde ein Kind geboren und es war ein Mädchen. Es lebte mit seinen Eltern und Grosseltern in einem Land namens Österreich.
Wälder umgaben das Haus und die Eltern arbeiteten in der nahen Stadt. Auch dieses Kind war oftmals still, sprach mit den Tieren und Sternen und liebte die Märchen, die seine Grossmutter ihm erzählte. Und auch dieses Kind liebte das himmlische Kind und schrieb ihm Briefe. Nicht um Geschenke zu bekommen, sondern nur es zu bitten, ihm die Familie zu erhalten. Der Grossvater verschwand eines Tages im Wald und kam nicht mehr zurück. Das Mädchen war noch sehr klein und der Schmerz in der Familie war grenzenlos. Nacht für Nacht bangte das Kind um das Leben seiner Eltern, um das Leben seiner Grossmutter. Und auch mit den Jahren, als das Mädchen zur Frau wurde, viele ferne Länder besuchte, manchmal im Ausland lebte und viele, viele Ebenen des Seins bereiste , war seine grösste Angst seine Familie zu verlieren.
Es war nicht so, dass die Familie das Mädchen in allem verstand, aber sie war immer da, liebevoll, nährend, unterstützend. Ein geborgenes Nest, das auch die stärksten Stürme überstand.
Die Mutter ähnelte in vielem der Mutter von einst, die Grossmutter ähnelte der Amme. Über den Vater vermögen wir nichts zu sagen, weil uns der Vater von einst unbekannt ist. Doch eines können wir sagen. Der Vater von heute liebt ihre Mutter über alles und sie ihn und auch er tut alles für das Mädchen. Und so ist zu vermuten, dass sich hier Seelen in einem ewig heiligen Band verbunden haben, das alle Zeiten überdauert.
Wir schreiben diese Geschichte zu Weihnachten im Jahre 2018. Das Mädchen ist inzwischen 51 Jahre alt und hat gelernt ihr Herz auch für menschliche Liebe zu öffnen, obwohl sie sich bewusst ist, wie fragil und vergänglich ein Menschenleben ist. Sie hat in sich den Mut gefunden, zu lieben und ihr Herz ist voller inniglichster tiefer Dankbarkeit , dass auch an diesem Weihnachten ihre Mutter, ihr Vater und ihre Grossmutter mit ihr zusammen unter dem Christbaum sitzen und dieses Fest der Liebe begehen.
Es ist das tief gefühlte DANKE dieses Mädchens, das mich diese Geschichte schreiben liess. Es ist ein Danke an die Seelen und die Menschen, die immer, immer und immer in diesem Leben für sie da waren und sind, dass sie, ihre Ängste meisternd, Flügeln anlegen konnte und in jene Ebenen des Seins reisen kann, in jene blühenden Gärten des Lebens, wo Seelen sich begegnen und Geschichten spinnen, die sie dann selbst ins Leben tragen. In diesen Gärten ist die Zeitspanne eines Menschenlebens nur ein flüchtiger Wimpernschlag, während die Herzen der Seelen nie aufhören einander zu lieben und an den Händen zu halten, in dieser Zeit, wie in allen Zeiten. Denn in diesen Gärten ist die Zeit nicht mehr als ein Traum in einem ewig bleibendem Raum.
Aus der Tiefe deiner Seele
eine süsse Stimme klingt,
spinnwebzart und selbstvergessen
sie von fernen Weisen singt.
Sie singt von den Tagen des Sturms,
da der Wind des Sehnens Wellen
gegen die Klippen deines Verstandes schlägt.
Sie singt von den Tagen der Trauer,
da ein geliebtes Schiff
den heimatlichen Strand verlässt.
Sie singt von den Tagen der Reise,
da fremde Pfade dir zu eigen werden.
Sie singt von den Tagen der Heimkehr
in ein Zuhause, das immer in dir war.
Sie singt von blühendem Leben,
das zärtlich deiner Liebe harrt.
Sie singt von den Tagen unendlicher Freude,
einer übersprudelnden Quelle,
die deinem fühlenden Herzen entspringt.
Sie singt von den Tagen der Freundschaft,
da Seele die Seele im andern erkennt.
Sie singt von den Tagen der Liebe,
die ungezähmt der Allgegenwart entweichen,
wie die Stimme, die aus der Tiefe deiner Seele quillt.
Das Ende der Zeit
Im Dunkeln geboren
ward das Wissen ums Licht,
das sich durch alle Schleier bricht.
Es einstens zu schauen,
die Welt zu erbauen,
die stets im Herzen
gewohnt.
Die lange Reise belohnt.
Nichts ist verloren
am Ende der Zeit
Nur die Zeit an sich
wird so w e i t ,
so weit,
wie der Geist ist bereit
im Jetzt zu erfühlen
die Ewigkeit.
Ihre zeitlosen Schwingen
küssen den Raum
und machen das Leben
zu einem Traum,
den die Liebe geträumt.
die die Wege gesäumt.
Das Ende als Anfang
so mach dich bereit:
Das Ende der Zeit
ist Glückseligkeit.
An den Wanderer
Ungeteilte Einsamkeit
in der ewigen Fülle des Augenblicks
Namenlose Weite des Ichs
verbundenes Sein, manchmal verstrickt
in klebenden Fäden verlorener Ängste..
Säend erntend, suchend ohne zu suchen
nahtlos fühlend das Ich bin
manchmal am Bahnhof stehen, aus alter Gewohnheit
und um den Zug trauern
an dessen Kommen du nicht mehr glauben kannst
weil dir der Glaube verging, ebenso wie die Hoffnung
im Licht der selbstbestimmten Schöpfung
Sich selbst als Wunder erkennend
verwundet vom eigenen Sein
in der Stille
Manchmal Begegnung, Wärme
Selten erhört der lautlose Schrei
der du bist
ein Weckruf in schlafender Welt
Alles ist gut sagt der Horizont
in der Einfachheit dich findend
alles ist hier, alles ist jetzt, alles ist gut
Manchmal verstummt das herzliche Flüstern
und wieder fängt der Zweifel dich ein
Betäubender Lärm gedachter Gefühle
angstbestimmtes Wollen
achtloses Getriebensein
reichen die Hände sich
in den Strassen der Stadt
Du mit Dir all-ein und ferner als fern
dem geteilten Erleben
mit einer Welt, die du nicht als die deine erkennst
und deren leitende Sterne
nicht im unendlichen Meer des Namenlosen leuchten
Selten ein Raum des Gefühltseins
Das Atmen fällt schwer
in verwirrter Dichte
Getragen, geborgen nur in dir selbst
und im Fühlen der Liebe in allem
vorallem in der Natur
Ein Fremder in einer entfremdeten Welt
ein Bote, dessen Botschaft
im Nebel verhallt
und doch in Herzen widerschallt
die sich ihres Selbsts erinnern
das du auch bist
Der Moment fällt schwer
auf der Suche nach bleibender Einfachheit
Sich weitender Blick-
ein wahrer König
eines gegenwärtigen Herzkönigreichs
im Moment, da sich Gewahrsein
in die Unendlichkeit dehnt
und alles aus tiefstem Herzen umfasst
In der Welt ein Wanderer, ohne Reich, ohne Thron
Wege eröffnend, dass Könige sich krönen
im Gewahrsein des Jetzts, selbst Könige zu sein
um als König der Herzen,
als Diener der Liebe
jedem auf gleicher Höhe
in die Augen des Himmels zu blicken
und endlich zu teilen die Wahrheit
der Seele, die längst vergessen in der Asche,
nach dem Atem des Bewusstseins ringt
und immer noch glimmt
immer noch glimmt
immer noch glimmt
All das nur ein Hauch, wenige Düfte
aus einer Vielzahl von Düften
aus der Gischt von Wellen,
deren Geschmack der Wind über die Berge mir treibt
Du selbst das Meer und der Wind und die Wellen
der Strand und der Himmel
der sich spiegelt im Meer
und selbst das nur ein Hauch der Unendlichkeit
wortunbegreiflicher Schöpfungsweiten
die nie geschöpft und doch gefühlt
sich durch dein Sein
verlebendigt.
Als das Mal wieder mal ein Mal war
und die Lichter des fernen Zuges
um die Ecke bogen
sah sie ihn am Bahnhof der Stadt
in der sie manchmal wohnte
Er stand da und schaute sie an
wie man ein Kind ansieht,
das spät nach Hause kommt.
Sein Blick sagte ihr,
dass er schon lange da stand
dass er auf sie gewartet hatte,
ohne zu warten
während sie sich
in sehnenden Träumen verging
Sie lief zu ihm hin, blieb dort stehen,
wo sein nasser Mantelkragen ihre Stirn streifte
Er musste das "Wo warst Du" nicht aussprechen
Er wusste, dass sie immer nur ihn
in all den Träumen gesucht hatte.
Einmal, ein erstes Mal nur
ist sie sich selbst begegnet
und nahm sich in die Arme
fühlte sich geborgen,
war angekommen sozusagen
dort, wo die Lichter des fernen Zuges
um die Ecke bogen
und sich ihr wanderndes Suchen
im Herz erstillte
Dieses eine Mal genügte,
ihn ihr sichtbar zu machen.
(c) Lile an Eden, aus dem Zyklus: Einland