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THEMA: Stimmen aus Irgendzeit und Irgendraum

Stimmen aus Irgendzeit und Irgendraum 1 Jahr 4 Monate her #111

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"Die Sprache hat mich ausgekotzt, ebenso das analytische Denken, als ob ich beiden zu unbequem geworden wäre, oder in einem Wandlungsanfall sie ausgezogen hätte, wie zu eng gewordene Kleider. Da hängen sie nun, die Sprache und das analytische Denken auf Kleiderbügel, wohlkonserviert in einer Garderobe, die ich lange nicht mehr betreten habe..bis jetzt. Und auch jetzt ist es so, als ob ich sie nicht berührte, nur eine stumme Erinnerung, dass ich einst der Sprache mächtig war, lässt mich Worte rufen, um Bilder eines Aufbruchs zu malen, Bilder eines Innehaltens, eines Rückzugs aus altvertrauten Pfaden der sogenannten Realität.

Und was ist Realität? Kaum zu finden in den Abziehbildern einer Wirklichkeit, die aus Selbst-Bildern geboren, wir einander überstülpen, immer uns selbst abbildend in unseren Mangelprogrammen, Hoffnungen und Wünschen, unseren Ängsten und Versäglichkeiten. Wer nimmt wahr, könnte ich fragen und mehr noch, was wird wahrgenommen, jenseits der Abziehbilder der eigenen Sucht, uns gegenseitig als Platzhalter zu missbrauchen, für die Gleichungen, die wir aufstellten...einst...
Vielmals die Gleichungen vergessen habend, dennoch von ihnen geprägt, sind wir getrieben von Erfüllungszwängen: der Sucht zu suchen, zu erkennen, zu fühlen, zu erfahren...zu haben...getrieben von einem Ich Will, dem sowohl das gefühlte Ich, als auch das wesensgetragene Wollen abhanden kam. Kreisend um das Zentrum eines Nichts, dessen Fülle der Potenzialität wir mit Ersatzscheinfakten niederwürgten zu einem gähnenden Abgrund der Leere.

Interpretationsanfällig bis in den Zehennagel und aufs äusserste entschlossen das Gefecht der Bedeutungszuweisungen solange auszutragen, bis einer Behauptung Wahrheit zugesprochen wird, oder aber der letzte Krieger erschöpft von allen sich wandelnden Behauptungsanfällen die Bedeutung selbst als bedeutungslos enthauptet.

Das Spiel im Innern wie im Aussen erkennend, bin ich erstillt, ebenso innen wie aussen...Nichts in mir wollte denken oder sprechen...es war mir, als ob das Denken und das Sprechen mir das Gewahrsein vernebelten, das Erleben eindämmten, das wie ein ferner Ruf mich als ein Sehnen der Gegenwart nach sich selbst erreichte. Einer Gegenwart der Authentizität, auf Verbundenheit basierend, ohne je ein Wort darüber zu verlieren...

Und je mehr ich mich diesem Ruf zuwandte, umso mehr verblasste auch der Kleiderschrank der gedachten Befindlichkeiten. Ich befand mich sozusagen nicht mehr. Auf die Frage "Wie geht es Dir" fand sich keine Antwort mehr...

Mein Körper allerdings fand sich bei den Bäumen, im Moos, auf Klippen, unter Sternen, vom Regen gewaschen, von der Sonne getrocknet, mit den Blüten lächelnd, mit den Insekten summend, vom Wind gestreichelt, in die Erde geschmiegt, vom Lagerfeuer gewärmt. Ich atmete Schönheit, im Wechsel von Licht und Schatten..Die lineare Zeitwahrnehmung verlor sich, ebenso wie Vergangenheit und Zukunft. Ich erlaubte mir zwischendurch die Empfindungen, die da waren, durch meine Finger gleiten zu lassen, wie unzählige Sandkörner des Meeres, ohne damit gleich Burgen zu bauen..Ich liess sie einfach durch die Finger gleiten und gab sie dem Meer zurück, dem Feuer, der Erde oder den Sternen, dorthin woher sie aufgetaucht waren und dennoch verliessen sie mich nicht, denn ich war das Meer und die Sterne, Vergangenheit und Zukunft.. zeitlos jetzt..

Ich verlor Dinge, die mir wichtig schienen und fühlte mich gleichzeitig beschenkt, überreich beschenkt wie in einem riesigen Zaubergarten, in dem sich alles findet, was gerade jetzt wesentlich ist...vom Wesenslicht beschienen, in ihm erkannt....

An dieser Stelle verweigert sich die Sprache erneut und da ist Schweigen in mir..das Schweigen einer Ewigkeit die es müde ist, einer Reisenden durch sich selbst zuzuhören...die die Stille sucht und den Gesang der Natur, die dem Rauschen der Blätter lauscht, den Duft der Blüten atmet, und das Spiel von Licht und Schatten, von Fragen und Antworten mit freudvoller Gelassenheit aus sich gebiert, sich in ihm erkennt, ohne in ihm gefangen zu sein und der Vergänglichkeit die Hand reicht, wie ein Zündholz der Reibung, weil nur sie gemeinsam das Licht entfachen, das die Potenzialität zur Realität erhellt.

Es ist ein Ankommen in dieser Stille, ein mehr und mehr in sich zuhause sein, in einem Land, das ich seit Jahrzehnten liebevoll das Land DWEI nenne..Das Was Es Ist und dieses Land kennt keine Grenzen, nur die Grenzen der Vorstellung. Da ist Gewahrsein dessen was ist und da ist kindliches Staunen über das Erblühen und Entfalten unendlicher Möglichkeiten, die erst durch die Linse unserer Wahr-nehmung sich zur erlebten Realität erträumen."
(c)Lile An Eden, www.artvisionweb.com

PS: "Wir haben unsere Sprache nicht verloren.
Wir sprechen in unseren Seelen, in unseren Herzen weiter und werden finden, finden die, die uns verstehen um dann gemeinsam die Sprache der Erde des Lebens zu sprechen.
Seh in die Augen des Falkens, er ist klar und betrachtet ohne zu verurteilen.
Seh in die Augen der Krähe sie wird dir zeigen was hinter dem Ganzen ist.
Seh in die Augen des Wolfes … er ist deine Familie.
Seh die Augen der Schlange … sie ist weise.
Seh in deine Augen und du wirst erkennen … alles ist eins.
Man braucht keine Wörter um sich mit dem Leben zu verstehen, man sieht nur mit dem Herzen.
Seht hin … und benutzt dabei mehr als das Geschriebene, das gesprochene Wort, … die Gestik, das Herz, die Ohren, die Nase Gebraucht alle Sinne die euch gegeben sind, sonst seid ihr taub für das was euch umgibt. Das Leben hat euch mehr zu sagen.
Hört, riecht, spürt endlich die Sprache des Lebens um euch herum, nur dann werdet ihr SEIN." (Indianerweisheit)
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